Auf neuen Wegen zum Königslachs
"Wenn du gut bist, kannst du es in einer halben Stunde!" So verspricht es zumindest der kanadische Angelguide der Skeena River Lodge. Ob Kingfisher-Mitarbeiter Markus Heine das Werfen mit der Zweihandrute tatsächlich so schnell raus hat und wie lange er letztlich auf seinen ersten Königslachs warten muss, lesen Sie in seinem Reisebericht.
Okay, ich fische schon seit einigen Jahren mit der Fliegenrute und konnte damit in Alaska schon einige Lachse fangen. Aber um die Zweihandrute habe ich bisher immer einen großen Bogen gemacht. Man könnte auch sagen: Ich habe gekniffen, warum auch immer. Aber ich fing ja schließlich auch mit der Einhandrute meine Fische, sodass ich mich in der Vergangenheit immer gekonnt um meine ersten Würfe mit der Zweihandrute drücken konnte.
Am Kitimat River in Kanada wird das nicht klappen, das ist mir mittlerweile klar. Guide Mike Wormer hat mir nämlich bereits eine fertig montierte Zweihandrute in die Hand gedrückt und unterstreicht die Worte, die mir gestern bereits ein anderer Guide auf der Lodge gesagt hatte: "Wenn du gut bist, dann wirst du innerhalb einer halben Stunde die Fliege so servieren können, dass du Königslachse fängst." Um der Sache noch etwas mehr Nachdruck zu verleihen, haben mein Kollege Frank Brodrecht und ich unsere Einhandfliegenruten heute morgen gleich in der Lodge gelassen bzw. lassen müssen, als der verschmitzt grinsende und fast 2 m große Mike zärtlich den Arm um uns legte und uns ins Ohr flüsterte, dass wir diese doch gar nicht benötigen würden. Unsere Spinnruten hatten wir da noch gar nicht erwähnt ...
Sicherlich hätten wir auch unser eigenes Gerät mitnehmen können, kein Problem. Der mit seinem langen grauen Bart wie ein ZZTOP-Rocker aussehende Mike hätte uns unseren Wunsch sicherlich nicht abgeschlagen. Aber manchmal muss man zu seinem Glück einfach gezwungen werden! Und schließlich wollte ich das Werfen mit der Zweihandrute endlich mal ausprobieren und freute mich auf den kurzen Fliegenfischerkurs am Kitimat River, ein fantastisches Lehrrevier für diese Methode. Dieser wilde Fluss mäandert in der Nähe des Skeena Rivers durch Kanada und gilt im Juni und Anfang Juli als bestes Gewässer der Region in der Nähe von Terrace, um einen Königslachs zu fangen. Zu dieser Zeit ist er das bevorzugte Angelrevier für alle Gäste der Skeena River Lodge.
Denn aufgrund der spärlicher gewordenen Aufstiege ist das Angeln auf die Kings im Skeena River selbst von den Behörden aktuell untersagt worden, am Kitimat ist es jedoch nach wie vor erlaubt - mit guten Chancen auf Fische in Gewichten von 15 bis 30 Pfund, echte Traumfänge, meist frisch aufgestiegen und silberblank, da das Meer nicht weit ist. In gewissen Größen darf sogar mal ein king entnommen werden, wobei ich für meinen Teil gerne darauf verzichte und die unversehrten Könige lieber release. Wer zur Kingzeit unbedingt schmackhafte Fischfilets aus Kanada mit nach Hause nehmen möchte, dem sei ein Tag Meeresangen auf Heilbutt, Ling Cod & Co. ans Herz gelegt, das von der Skeena River Lodge gerne organisiert wird. Im Meer lassen sich natürlich auch Lachser fangen ...
Doch zurück an den Kitimat River und zum Fischen mit der Zweihandrute. Schnell wird mir klar, dass diese Methode im Vergleich zur Einhand doch einige Vorteile mit sich bringt: Das Werfen mit schweren und größeren Streamern gelingt spielend, man braucht keinen freien Rückraum mehr so groß wie ein Tennisfeld und bringt den Streamer mit einem einzigen Wurf bzw. 2 Schwüngen an perfekt abgestimmten Sinktips auf ordentliche Weiten. Die Tipps und Tricks von Mike sind Gold wert. Wie die anderen Guides der Lodge weiß er wirklich, wovon er spricht. Echte Experten.
Eine Schnelleinweisung, die auch bei mir Früchte trägt: Ob es nun 30 Minuten sind oder doch etwas länger oder aber kürzer dauerte, weiß ich nicht genau, aber ich bekomme die Fliege auf alle Fälle relativ schnell einigermaßen weit raus, sodass Mike voll des Lobes ist. Wobei Amerikaner ja durchaus dazu neigen, sehr überschwänglich zu loben und allzu leicht euphorisch zu werden - am heutigen Tag ist mir das aber mehr als recht, sodass ich mit meinen Würfen immer mutiger werde.
Wobei weite Würfe meist gar nicht nötig sind. Der Streamer muss in der Regel nur um die 15 bis 20 Meter weit raus, geradewegs in Richtung gegenüber liegendes Ufer, und treibt dann mit der Strömung herum, den hoffentlich hungrigen Kings entgegen. Wir stehen bis zu den Knien oder der Hüfte im klaren und gurgelnden Wasser des Kitimats, ein fantastisches und spannendes Angeln. Ob sich auch einige Bären unsere Wurfkünste aus dem Pflanzendickicht anschauen? Hoffentlich fühlen sie sich gut unterhalten ...
Plötzlich ruckt es stark in meiner Schnur. Als ich den Anhieb setze, schneidet die Leine schon durchs Wasser. "Fish on!", rufe ich und sehe aus den Augenwinkeln, dass Mike den Daumen hebt und sich den Kescher packt. Ich spüre sofort, dass es sich um einen schönen Fisch handelt, der in der gleichmäßigen Strömung ordentlich Gas gibt und mir etwa 15 m Schnur von der Rolle reißt. Die 3,90 m lange Zweihandrute der Klasse 8 biegt sich ordentlich durch, gibt mir aber auch eine gute Kontrolle im Drill. "Nimm dir alle Zeit der Welt", kommentiert Mike meinen Drill. "Aber übe auch genügend Druck aus, schließlich hat der Streamer keinen Widerhaken."
Das mache ich, sodass die Fluchten des Kings kürzer werden und er dem Keschernetz immer näher kommt. "Hab' ihn!", ruft Mike lachend, als er das Netz unter den blanken Königslachs schiebt - ein wunderschöner Fisch, der zwischen 15 und 20 Pfund wiegen dürfte. Der widerhakenlose Streamer hängt vorbildlich im Maulwinkel und lässt sich leicht lösen.
Nach einigen Erinnerungsbildern entlasse ich den König wieder in sein Reich, damit er sich um seinen Nachwuchs kümmern kann. "Good job!", lobt mich Mike und greift nach seiner Thermoskanne. "Jetzt einen schönen Kaffee und ein leckeres Sandwich zum Frühstück!" Der Nebel gleitet an diesem frühen Morgen noch über den Kitimat, zwischendurch buckeln immer wieder einige Lachse, für jeden Naturliebhaber das absolute Paradies.
In meinen Augen gehört der Fang eines Königslachses zu den größten Erlebnissen in einem Anglerleben. Hinzu kommt in Kanada ein einzigartiges Naturerlebnis, eine Kombination, die man einfach selbst spüren muss. Unter den womöglichen Blicken von Bären und Elchen hüfttief in einem wilden Fluss zu stehen und einen Lachs zu drillen, das ist wirklich einzigartig und ein echtes Abenteuer. Dass man in der Skeena River Lodge dazu auch noch dank exzellenter Guides spielerisch das Fliegenfischen mit der Zweihandrute erlernen kann, umso besser. Aber das ist natürlich kein Muss, Sie können so angeln, wie Sie es wünschen. Ich würde es aber dennoch empfehlen, denn der Fang eines Königs-, Hunds- oder Silberlachses an der Zweihandrute macht meiner Meinung nach deutlich mehr Spaß als mit der Spinnrute.
Dabei befriedigt die Skeena River Lodge höchste Ansprüche. Nicht nur das kostenlose Leihgerät ist absolut hochwertig (in der Regel von Orvis), Sie bekommen auch Köder und Wathosen (von SIMMS) gestellt und werden in Kleingruppen von höchstes 3 Anglern professionell geguidet. In der Lodge wohnen Sie in geschmackvoll eingerichteteten Zimmern und Cabins, genießen eine hervorragende Küche und können nach dem Angeln in einem tollen Wellnessbereich entspannen. Ihre Fische, vor allem Rot-, Hunds- und Silberlachse (4 Stück pro Woche im Skeena möglich, Bestimmungen können sich aber ändern), werden vor Ort geräuchert und für Ihre Rückreise vakuumiert. Sie sehen: In der Skeena River Lodge bieten wir das Rundum-Sorglos-Paket an!
Info: Die Skeena River Lodge gehört zu den besten Lodges in der Region und bietet vielfältige anglerische Möglichkeiten. Das reine Kingfischen am Kitimat River ist im Juni und Anfang Juli möglich. Meist fahren Sie schon früh morgens, wenn es noch dunkel ist, mit dem Auto zum Kitimat und starten dort ihren Float-Trip mit dem Guide, sodass Sie im Morgengrauen Ihre ersten Fische fangen können. Wir freuen uns auf Ihre Buchungsanfrage und erstellen Ihnen gerne individuelle Angebote mit Flügen aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz über Vancouver nach Terrace, auch eine Zwischenübernachtung in Vancouver ist möglich. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage!
