Ein Lachsfluss wie aus dem Bilderbuch
Schon mal etwas vom Örekilsälven gehört? Dieser schwedische Lachsfluss liegt nur eine knappe Autostunde nordwestlich von Göteborg entfernt und zog Kingfisher-Urgestein Frank Brodrecht komplett in seinen Bann.
„Lass die Sinkschnüre daheim.“ Mit diesen Worten beginnt Per Nyquist, unser Partner am Örekilsälven, unser Telefonat kurz vor meiner mehrwöchigen Dienstreise durch Schweden. Der Lachsfluss führe extremes Niedrigwasser, an der Westküste nördlich von Göteborg habe es das gesamte Frühjahr kaum geregnet. Bei weniger als 5 Kubikmetern Durchlauf sei nur noch das Fliegenfischen mit Schwimmschnüren erlaubt, mittlerweile seien es schon weniger als 2 Kubikmeter. Denkbar schlechte Bedingungen zum Lachsfischen, aber natürlich sei ich herzlich willkommen, mir einen Eindruck von diesem Reiseziel zu verschaffen, das ich bislang noch nicht besucht habe.
Als ich am 22. Mai im Brålands Gård ankomme – ich habe nur 24 Stunden für meinen Kurzbesuch eingeplant – und mit Per vom idyllischen Hof die 250 Meter zum Älven hinab schlendere, bin ich tief beeindruckt: ein Fluss wie aus dem Bilderbuch! Tief hat sich das Bett des Örekilsälven in die Landschaft gegraben, die Hänge sind dicht bewaldet und bilden zusammen mit dem wilden Flusslauf ein wertvolles Schutzgebiet, in dem Natur sich frei entfalten kann. Das Wasser strömt selbst jetzt bei Niedrigwasser reißend über Felsen und Stämme und sammelt sich in metertiefen Pools.
Erster Fototermin am Fura, dem hochkarätigen Pool im Abschnitt A direkt unterhalb des Bråland Gårds, der über die Jahre schon so viele Lachse geliefert hat. Ich möchte ein paar Fotos für Katalog und Homepage machen, suche mir einen festen Halt zwischen den Steinen, während Per mit der 8er Einhandrute die grell orangene Tubenfliege quer über den Fluss schlenzt. Dichte, überhängende Bäume, rauschendes Wasser, glänzende, moosbewachsene Steine – eine herrliche Kulisse.
Ich konzentriere mich auf das Sucherbild in der Kamera. Der nächste Rollwurf am oberen Ende des Pools, die Schnur streckt sich, schneidet durchs Wasser, die Rute federt durch, während es am Rande meines Suchers silbern aufblitzt. Pers ungläubige Stimme übertönt das Rauschen des Flusses: „It’s a salmon, a big one“. Die nächsten Minuten versuche ich mit dem Sucher dem spannenden Drill zu folgen, die Schwanzschläge des wild schlagenden Fisches zu fokussieren und Per beim Klettern über die Steine entlang des Pools zu folgen.
Der Fisch verzichtet zum Glück, wie so oft bei Niedrigwasser-Drills, auf eine lange Flucht, und auch die Landung gelingt Per ohne größere Probleme. Ein kurzes Vermessen des frisch aufgestiegenen Fisches (96 cm!), der knapp unter 10 Kilo wiegen dürfte, ein paar letzte Fotos, und schon verabschiedet sich der Lachs mit einem kräftigen Schwanzschlag in die Freiheit.
Wir können es kaum fassen: Die Bedingungen zum Lachsfischen sind miserabel, auf der gesamten A-Strecke des Örekilsälven sind wir heute die einzigen Angler, und dennoch scheinen frische Lachse in den Fluss aufgestiegen zu sein. Per muss als junger Familienvater leider für den Rest des Tages die Kinder hüten, so klettere ich kurze Zeit später allein am Ufer entlang und folge dem Pfad flussabwärts zum nächsten Pool, dem Döen, beobachte eine Wasseramsel auf einem moosbedeckten Stein mitten im Fluss und genieße die herrliche Natur.
Angekommen am Döen lasse ich die Fliege (natürlich habe ich das orangene Erfolgsmuster von Per gewählt) durch die Strömung ziehen, verlängere mit jedem Rollwurf und fische so den gesamten Pool Meter für Meter ab. Ich bin im Fliegenfischen auf Lachs ungeübt, insofern dauert es etwas, bis die Rollwürfe einigermaßen sitzen und die Fliege mit der nötigen Geschwindigkeit durch die Strömung zieht.
Ich mag etwa in der Mitte der Vertiefung angekommen sein, habe vielleicht 30 Minuten gefischt, da merke ich ein feines Zupfen in der Schnur. Einbildung? Nein, das Zupfen geht in ein ungeduldiges Zerren am anderen Ende der Schnur über, ich zwinge mich, nicht anzuschlagen, sondern die Rute erst nach einer kurzen Verzögerung zu heben, und schon wälzt sich ein blanker Frühjahrslachs an der Oberfläche.
Der Fisch tobt durch den Pool, ich stolpere mit weichen Knien ins ruhige Kehrwasser und halte tatsächlich kurze Zeit später meinen ersten Atlantischen Lachs auf Fliege in den zitternden Händen. Ein frischaufgestiegener, praller Fisch mit 81 cm, dessen makelloses silbernes Schuppenkleid je nach Lichteinfall rosa bis blaugrün changiert – ein Traum!
Ich bin mir klar, dass dieser Kurzstopp am Örekilsälven vermutlich das fischereiliche Highlight meiner Reise, auf der ich alle Partner im Schwedenprogramm von Kingfisher Reisen besuchen werde, sein dürfte. Als ich dann keine Stunde später die orangene Tubenfliege aus dem Maulwinkel eines weiteren Blanklachses aushake – sie könnte die Zwillingsschwester des ersten Fisches sein - weiß ich, dass der 22. Mai 2025 in meinem Kalender der „Fänge fürs Leben“ fett rot markiert sein wird.
Infos: Brålands Gård ist ein rundum stimmiges Lachsprogramm für Spinn- und Fliegenfischer bei Kingfisher Reisen mit einem tollen Preis-Leistungsverhältnis. Im Gegensatz zu den viel bekannteren Lachsflüssen in Norwegen ist der Lachsaufstieg im Örekilsälven in den letzten Jahren konstant gut, und auch die Durchschnittsgröße mit über 4 Kilo lässt aufhorchen.
Der Service auf dem kleinen Hof mit 2 gemütliche Ferienwohnungen etwa 250 Meter von Fluss entfernt ist sehr gut und durchdacht, Gastgeber Per war viele Jahre lang Lachsguide an der Gaula und kennt die Bedürfnisse seiner fischenden Gäste. Er bietet Einführungs- und Intensivguidings am Älven an und vermietet bei Bedarf auch Angelgerät und Wathosen.
Lesen Sie hier mehr zu unserem Lachsprogramm in Schweden. Gerne unterbreiten wir Ihnen konkrete Angebote für Ihre Reise in dieses schwedische Traumziel. Rufen Sie uns gerne an unter Tel. +49 (0) 261 - 91554 - 0 oder stellen Ihre Buchungsanfrage ganz schnell und praktisch in unserem Online-Formular.
