Unterwegs mit dem Hausboot auf dem River Erne

07. Mai 2015

Ein Bericht von Siggi Winkler und Bernhard Sigmund

This is the crazy story of two  Germans,

sailing with a Houseboat on the Erne-River in Nordirland

vom 22. April bis 02. Mai 2015.
Es war bereits das 3. Mal, dass Bernhard und der Siggi mit einem Hausboot  in Irland unterwegs waren. Bisher auf dem Shannon und dem Waterway-Kanal, der den Shannon mit dem Erne verbindet, nun eben auf dem Erne selbst, der im Norden in den Atlantik mündet.

Mittwoch, der 22. April:
Ruhiger Flug Ffm – Dublin. Flugzeug nur zu 2/3 besetzt. Am Flughafen Abholung mit Kleinbus, der etwa 15 Hausbootfreaks Richtung Nordirland befördert. Im Bus mit uns 3 Frankentaler, die zufällig vor 3 Jahren bei unserem letzten Bootstripp auch an Bord waren. Freundl. Begrüssung in Killadeas bei „Manor House Marine“, Papierkram erledigt, Bootseinweisung durch einen netten u geduldigen Iren, Probefahrt, Bernhard brilliert durch perfekte Steuerung und sicheres Anlegen des Bootes (nach meinen perfekten Anweisungen und Navigierung natürlich…).

In der Bar eines nahegelegenen Hotels nehmen wir noch 1-2-3 Drinks (natürlich Guinness) und 22.30 ist Nachtruhe. Jeder hat seine eigene Koje auf der „Noble Cancellor“, so heisst unser Boot. Temperaturen über 20 ° C an diesem Tag.

Donnerstag, der 23. April:
Um 7.00 kräht ein irischer Hahn. (okay, ich habe das ersatzweise übernommen). Gleich 2 Angeln mit toten Köderfischen ausgelegt auf Hecht. Wir haben ein Dingi (Beiboot) mit Motor und Rudern dabei, das wird gleich mal getestet. Fischereilizenz in der Marina gekauft, Abfahrt nach Enniskillen gegen 11.00. Anleger Enniskillen –wenig Betrieb. Walk durch die City, Bernhard freut sich, dass wir kein Pub mit Livemusik finden (wohin es mich eben immer zieht…) wir kaufen eine Kiste Guinness (12 Dosen) und was man so neben dem Getränk an Bord verpflegungsmässig noch so braucht. Der Kassierer freut sich über uns Deutsche, spricht lange u stressfrei (trotz Kassenschlange) mit uns, es drängelt aber niemand. Wir erfahren, dass die Frau hinter uns aus Majo kommt („Take me back to Castlebar…), die Damen dahinter aus dem Umland. Unglaublich, diese Freundlichkeit, von der wir gehetzte Deutsche uns wirklich eine Scheibe abschneiden können.

Wir sind überrascht, dass von 12 Kassen im Kaufhaus dort die Hälfte elektronisch zum „Selbstbezahlen mit Karte“, also ohne Kassierer(in) in Betrieb ist. Krasser Kontrast zu den kleinen Shops auf dem Lande…

17.00 ab Enniskillen Richtung Devenish East, ein ruhiger Anleger in der Wildnis. Dort Fischen bis 22.00 ohne nennenswerten Erfolg. Temp. Über 20.° C.

Freitag, den 24. April:
Der irische Hahn kräht um 6.30. Bernhard in Nöten. Wir pflegen bei Bootsurlauben immer, die bordeig. Toilette nicht zu benutzen. Hier am Anleger (eine kleine Insel) gibt es aber kein Busch, Baum oder Strauch…nur eine alte Burgruine u ein alter Friedhof, die/der  von Besuchern tagsüber frequentiert wird. Glücklicherweise gibt es aber noch eine Kuhweide mit hohem Binsengras….in 1 km Entfernung! “Mein Gott Bernhard“!

Wir sitzen noch beim Frühstück, da schwimmt ein wilder Schwan in meine Angelschnur. Schweissperlen…ich will die Angelschnur bereits kappen…da kommt er selbst wieder frei.  Wir schleppen mit dem Dingi und 2 Ruten auf Hecht u fangen die ersten beiden Hechte. Einer wird geschlachtet (Filets)  der andere mit einem freundl. Gruss an seine Grossmutter entlassen. 

Es ist wieder warm, um 20 ° C.Der Himmel bewölkt sich. Um 14.30 verlassen wir Devenish, neues Ziel ist der „Corradilar Anleger“. Nagelneuer Anleger, wir kommen bei Regen dort an. Boot vertäut, Abendessen der Hecht vom Vormittag. Er wog 6  Pfund, wir werden also  sehr satt…. Am Abend jeder 3 Guinness, Sturm u Regen, um 22.30 Bettruhe.

Samstag, den 25. April:
Unser Ziel für diesen Tag war Belturbet, da wir dort eine „Verabredung“ hatten. Der Tag begann mit Sturm und Regen, der Wind hatte von W auf N gedreht. Wir fahren am legendären „God Tower“ vorbei und erreichen Belturbet gegen 12.00. Es regnet nicht mehr, es ist sonnig, aber nur noch knapp 10°C. Wir fangen Rotaugen und Barsche im Minutentakt am Steg. Am Nachmittag schleppen wir dann unsere Kunstköder (Wobbler und Gummifische) hinter dem Dingi her, suchen immer die Scharkante u fangen einen schönen Hecht. Beim filetieren am Ufer auf einer Weide werden wir von 2 Hunden bedroht, wir entkommen knapp. Nächster Filetierversuch auf nächster Weide, wieder ergreifen wir die Flucht, da einige Stiere auf uns zulaufen.  Bei nächsten Mal bleiben wir ungestört.

Am Abend suchen wir gegen 21.00 die „Railway-Bar“ in Beltubet auf. Dort hatten wir unsere „Verabredung (-en). Zunächst erscheint Pat O`Connor mit Instrumenten und einer Freundin, im Schlepptau. Beide hatten den weiten Weg von Dublin (ca 180 km) auf sich genommen, um hier mit uns zu musizieren. Es kamen noch 2 einheimische Musiker dazu..one female, one male. Er ein sehr guter Gitarrist ( zupfte fast so gut wie unsere Simone…) und eine Sängerin mit sagenhafter Stimme. Als sie begann, wollte ich meine Stimmbänder an die Wand nageln…

Dann …die nächste Verabredung: Gabi und Alex , sie Österreicherin, er Deutscher, beide besitzen grosse „Hausbooterfahrung“. Wir kannten uns bisher nur über „facebook“ aber sie waren und sind mindestens genauso nett, wie erwartet. Neue Freunde eben. Mit ihnen kamen noch mit Frank u Stefan zwei furchtbar nette  Deutsche, sodass wir eine schöne Ecke im Pub für uns vereinnahmen konnten.

Es war ein unvergesslicher Pubabend mit 3 Stunden Tunes, Tales und Singing. Ich hätte mich ob dieser geballten Qualitäten gerne zurückgehalten, Pat forderte mich aber immer wieder. Gegen 2.00 und nach etlichen Guinness trollten wir in unsere Kabine. Dort erwarteten uns eiskalte Betten…LEUTE…habt ihr Euch schon einmal bei fast Minustemperaturen mit Guinness im Blut in so eine Koje gelegt? Meine Füsse waren noch am Morgen nicht warm…

Sonntag, der 26. April:
Bernhard am Morgen noch erschöpft vom ausgiebigen Table-Dancing….

Verabschiedung von Gabi und Alex am Steg, sie wollten weiter nach Belleek im Norden. Wir verliessen Belturbet ebenfalls, unser Ziel war ein einsamer Anleger…der „Crown“. Dort gibt es eine saubere Toilette am Ufer, was unsere „Waldwanderungen“ reduzieren liess. Mittagessen: Hecht gebraten, was sonst. Es folgte eine Siesta (mit warmen Füssen) und später ein Hechtangriff mit Gummifischen. Er war erfolgreich, ein Hechtlein von 5 Pfund konnte nicht widerstehen. Wir widerstanden auch u liessen ihn wieder frei. Es folgte ein kleinerer Hecht, der ebenfalls noch wachsen muss/darf/soll. Nach dem Abendessen fangen wir beim „Faulenzerfischen“ am Boot einen weiteren Hecht von ca 5 -6 Pfund. Bettruhe gegen 22.30 Uhr

Montag der 27. April:
7.00 Uhr Hahnenschrei über den ansonsten ruhig daliegenden Erne-River. Wetter super, Sonne pur und nur „halbkalt“.(neue Wortschöpfung).10.00 Abfahrt nach Enniskillen um Proviant nachzukaufen. Unser Guinnessvorrat war irgendwie verdunstet. Mittagessen in einem Kaufhaus. Kein Pub hat Livemusik am Abend.(Bernhard freut sich…)  Der Wind frischt auf. Daher  Planänderung, wir fahren wieder nach Devenish East, da dort windgeschützt. Unserem Grundsatz „kein Bier vor Vier“ werden wir erstmals untreu angesichts der aufgefüllten Vorräte. Wir entdecken den Unterschied zw. „Guinness Original“ und „ Guinness Drought“. (NUR Letzteres hat  den  Stickstoff, der den bekannt feinen Schaum produziert).

Schleppangeln mit Dingi ab 16.00 Uhr. Montageabriss kapitaler Natur nach 10 Minuten (lag nicht am Guinness!) Es kommt Sturm auf u Starkregen. Nass wie die Katzen aufs Boot zurück.  Musik, Kreuzworträtsel, Gespräche am Abend.

Dienstag, der 28. April:
Nach kalter u stürmischer Nacht, Sonne nach dem (heisser klingenden) Hahnenschrei.

Frühstück, Weissfischangeln am Steg. Abfahrt Richtung Kesh gegen 10.00 Uhr. Unterwegs begegnen uns Gabi und Alex mit ihrem Boot in der Gegenrichtung. Heftiges Winken als Kommunikation muss reichen.  Wir überschreiten die „Rote Linie“ die nach Norden den breiter werdenden Erne als „sturmanfällig“ beschreibt, prompt bekommen wir hohe Wellen hinter den bisher schützenden Inseln. Wir brechen die Fahrt nach Norden ab…suchen einen geschützten Anleger, den wir mit „Rossigh“ dann finden. Dort verstärktes Barschangeln. Bernhard fängt in einer Stunde über 20 Barsche (ohne die Kleinen!) einige davon werden filetiert (In der Schweiz nennt man die Kameraden „Egli“ und dort kostet ein Eglifiletgericht über 30 Franken!). Später Schleppangeln mit Dingi auf Hecht, ergebnislos. Am Abend Dauerregen und kalt.

Mittwoch, der 29. April:
7.00 Hahnenschrei. Bernhards Sprint  in die Botanik mit unterwegs abgeworfenen Hosenträgern nach dem Frühstück ist wieder eine Augenweide! Temp. 6-8°C. Start 10.45 Richtung Archdale. Mässiger Wind, noch immer Regenschauer. Ankunft am Ziel 11.30. Forest-Walk, Pubsuche (vergeblich) Storesuche (vergeblich) aber eine gepflegte Toilette. Etwas Enttäuschung, wir hatten eine bessere Infrastruktur hier erwartet. Wir entschliessen uns zur Weiterfahrt nach Kesh (also unser 2., Versuch über die „Rote Linie“).

Wir nehmen die Route über „White Island“, Sturm, Regen, Graupelschauer. Wir passieren die ABC-Marina hinter windgeschützten Inseln. Hohe Wellen, unser Boot wackelt bedenklich aber wir behalten trockene Unterhosen. Vor Kesh verirren wir uns und steuern versehentl einen privaten Anleger an. Schlechte Sicht d. Gischt u Regen.Über den Kesh-River (von ihm wird später noch berichtet) erreichen wir Kesh. 900 Einwohner, nur 2 Pubs. Wir erkennen  zum wiederholten Male den Unterschied zur Republik Irland..alleine in Killeshandra gibt es bei 600 Einwoher 12 Pubs. Die Pub-Kultur in der Republik Irland im Süden ist x-fach besser.

Durch den Sturm auf der Fahrt brach eine aufgestellte Angel im Rutenhalter des Bootes-Wir erfahren in Kesh, dass sich kein weiteres Boot an diesem Tag hierher wagte. Also: mein Hinweis auf die trockenen Unterhosen war berechtigt.

Wir schleppen mit dem Ruderboot im Kesh-River auf Hecht. Ergebnislos. Aber nicht erlebnislos. Wir hörten beim Rudergang ein jämmerliches, aber schwaches Geschrei eines Schafes. Bernhard mit Adlerauge konnte es orten: am Steilufer war ein Lamm abgestürzt, etwa 2 m hinter überhängenden Brombeerhecken stand es bis zum Bauch im Wasser, keine Chance wieder hochzuklettern. Wir wären ohne unsere Lederhandschuhe nicht in der Lage gewesen, an das Lamm zu gelangen..die jahrhundertealten Brombeerstränge mussten beseitigt werden.  Bernhard hatte dabei Mühe, das Boot gegen die starke  Strömung am Ufer zu halten, ich konnte es (mit Watstiefeln) greifen und ins Boot holen. 100 m stromaufwärts gab es eine (heckenfreie) Stelle, an der wir das Lamm ans Ufer (hochwerfen) setzen konnten, wo es von seiner Mami lauthals  begrüsst wurde.

Unsere gute Tat der Woche. Danach besserte sich schlagartig das Wetter. Um 21.00 besuchen wir ein Pub im Ort, ausser dem Wirt war aber niemand da….

Donnerstag, der 30. April:
Um 7.00 kräht der Hahn. Abfahrt Kesh durch den Kesh-River  auf den Lower-Erne. Unterwegs winkt uns da gerettete Lamm freundlich zu….Ruhige See, sonniges Wetter, ca 10°C.  Markierungen alle gut sichtbar, im Gegentum zum Vortag. Wir können unsere halblangärmeligen Unterhosen in den Koffer packen. Plötzlich gibt es wieder Boote auf dem Erne…neben uns. Wo waren die gestern nur alle? Wir steuern Carryckreagh an, ein ruhiger Anleger. Gegen  Mittag  Ziel erreicht. Wunderschöner Anleger, schöner Wanderweg durch den „irischen Urwald“, irische Stippangler am Ufer. Wir filetieren unsere Barsche und es gibt eine Eglipfanne zu Mittag.  Beim Schleppangeln am Nachmittag mit dem Dingi fangen wir 2 kleine Hechte, die ihre Freiheit wieder bekommen.  Tolles Wetter heute! Der Abend wird mit einigen Guinness beschlossen.

Freitag, der 1. Mai:
7.00 Weckruf durch den Hahn. (okay…ich rede die ganze Zeit vom Wasserhahn!) Stellfische ausgelegt und wenig später beisst ein 50 cm Hecht. Er bekommt seine Freiheit wieder.  Ab 9.30 Schleppangeln mit Gummifischen u Wobbler, wir bekommen 2 Fehlbisse. Gegen Mittag frischt der Wind auf. Es wird kälter. Wir beginnen unser Hausboot zu säubern und steuern unsere nahegelegene Manor-Marina  an . Dort haben wir die Möglichkeit zu duschen (hatten wir auf dem Boot aber auch), Bootsübergabe.Am Abend Restaurantbesuch im nahegeleg. Hotel im Keller. Gutes Essen, wir wundern uns über den „Betrieb“ im Hotel in dieser abgelegenen  Gegend. Über 100 Autos stehen am Hotel, in dessen Nähe ein Golfplatz liegt.

Dieselverbrauch an 10 Tagen:  140 Liter Diesel…kosten 190 Euronen. Absacker: ein letztes Guinness auf dem Boot gegen 22.00 Uhr.

Samstag, der 2. Mai:
Tag der Rückreise. 7.00 Frühstück (okay, der Hahn war vorher auch da…) Am Bus, der uns nach Dublin bringt, treffen wir überraschenderweise wieder Gabi und Alex. Grosse Freude. Wir verbringen auch den Nachmittag dann gemeinsam im Flughafen bei Kaffee und  guten Gesprächen….ein unvergesslicher Natururlaub ist zuende. Der Rückflug verlief ruhig.

Es war für mich der 19. Irlandaufenthalt.

Wo und wie werde ich den 20. erleben?

Ach ja…der Süden Irlands fehlt mir noch!

Siggi